Saturday, 21 January 2012

Tiger, Temple, Touristen und andere Besonderheiten


Part 1:
Kodi - Chennai - Raipur - Delhi - Agra - Fatephur Sikri - Delhi


7 Wochen Indien - 7 Wochen eintauchen in eine neue, aufregende Welt. Neue Erfahrungen machen, neue Menschen kennenlernen, neue Sinneseindrücke erleben, neue Interessen aber auch neue Grenzen kennenlernen - sich einfach nur auf Neues einlassen und oftmals auch Vertrautes entdecken. Die Liste ließe sich noch endlos weiterführen. Wenn ich jetzt über meine Rundreise durch Indien nachdenke, fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden, um euch an meinen Erlebnissen, Eindrücken und Gefühlen teilhaben zu lassen. Ich werd es dennoch versuchen.

           Unbeschreiblich
           Neues erfahren, Vertrautes entdecken
           Genießen (meine Gesellschaft und natürlich Essen)

           Leben und leben lassen
           Abenteuer
           Urlaub ganz anders
           Bekanntschaften machen
         nach Lust und Laune leben
          mIch neu kennenlernen und zu mir finden
           Chaotisch
           Herausfordernd






Chennai Beach

Unbeschreiblich aufgeregt und gespannt war ich denke ich schon Wochen vor meiner Abreise. Die Tatsache, dass Kodi in der letzten Woche in Sturm und Regen unterzugehen drohte und wir außerdem 2 Tage lang keinen Strom hatten, trug definitiv dazu bei, dass ich meiner Abreise stark entgegenfieberte. Ende November konnten wir (Tim und ich) dann endlich aufbrechen: 8 Stunden over-night Bus nach Chennai. (Wer jetzt denkt, dass sei viel, lese unbedingt weiter.) Nein wirklich, ich denke, in Indien entwickelt man ein anderes Gefühl für Zeit und Entfernung. Früher schien mir der Norden Indiens beinahe unerreichbar und meine Reiseziele waren noch sehr bescheiden, da ich mich auf den Süden beschränken wollte. Nach zahllosen Gesprächen mit anderen Freiwilligen, Lehrern über Reisen in Indien dachte ich schließlich: Das können wir auch. So befanden Tim und ich uns nach einem kurzen Aufenthalt in Chennai (die Stadt gehört sicherlich nicht zu meinen Lieblingsorten in Indien)bereits im Flugzeug nach Raipur, die Hauptstadt Chattisgar und voilà - da waren wir schon in Zentral-Indien. 




Raipur College:
Tim, Rakesh, Raghvendra

Über Raipur lässt sich eins mit Gewissheit sagen: Die Stadt ist sicherlich kein Touristenort. Allerdings wollte ich Indien sowieso nicht als Tourist entdecken, da man so meiner Meinung nach das Land nur eher oberflächlich kennenlernt und einem Vieles entgeht. Als Tourist wird einem außerdem auch mit vielmehr Distanz begegnet. Zum Glück haben Tim und ich in der Zeit, die wir bereits in Indien sind, viele Freunde gefunden, sodass wir u.A. von Familie Mishra (Raghvendra ist Schüler an der KIS) zu ihnen nach Hause eingeladen wurden. Geplant waren eigentlich nur 3 Tage doch der Vater Rakesh wollte uns unter keinen Umständen schon so früh gehen lassen, sodass wir schließlich für eine Woche blieben. Ich muss sagen, es war mit die beste Woche hier in Indien.
Familie Mishra ist eine ziemlich gläubische Hindu-Familie. Unter hinduistischen Familien sind arranged marriages und joint-families noch sehr üblich. 
Das bedeutet, dass die Ehepartner von den Eltern der jeweiligen Familien bestimmt werden. Dies ist insofern wichtig, da bei Hindus nicht zwei Menschen zusammenkommen sondern zwei Familien vereinigt werden. So auch bei Familie Mishra. Dies ist einer sehr alte Tradition, die wir im Westen vielleicht eher schwer verstehen können, da wir so viel mehr Freiheiten genießen, aber in Indien ist dies wie gesagt nicht unüblich und ich muss sagen, dass das Beispiel der Mishra mir gezeigt hat, dass diese Version auch viele Vorteile hat. 

 
Die Familie ist wahnsinnig groß und ich denke, wir haben in dieser Woche ca. 30 Familienmitglieder kennengelernt und es war wahnsinnig spannend, da alle unglaublich interessiert an uns waren und wir sogar viele Diskussionen über das hinduistische System geführt haben.
Ein "Nachteil" allerdings, wenn man von so vielen Menschen an einem Tag eingeladen wird, ist, dass man schnell schon mal bis zu 8 Mahlzeiten angeboten bekommt, 
Rakesh beim Beten in seinem Tempel

Khana National Park






die man dann auch am besten zumindest probiert. Essen gehört in traditionellen Familien nämlich zur Gastfreundschaft dazu und ein Ablehnen wird schnell als Beleidigung empfunden, auch wenn man noch so oft beteuert, dass der Magen nach 6 Mahlzeiten unmöglich noch größer werden kann. Davon abgesehen bietet dies einem auch die Möglichkeit, allerhand neues, leckeres, indisches Essen zu probieren. Da nimmt man dann auch mal einen protestierenden Magen in Kauf. 

Natürlich haben wir in dieser Woche nicht nur Essen probiert und Verwandte kennengelernt, sondern auch die Stadt erkundet sowie 3 Tage im Khana National Park verbracht. Der National Park war ein super Abenteuer, auch wenn wir keinen Tiger gesehen haben. 
 

Kindergarten
















Delhi School in Bilai

Schüler der Delhi School


Public School in Bilai
indisch feiern
ein kleiner Teil meiner Raipur Familie
meine indische Familie
Großfamilie Mishra
Osch's 10. Geburtstag
Anushka, Pranjal, Ich, Raghvendra

spontane Tanzaufführung extra für uns

 
Nach dieser wunderbaren Woche ging es dann mit dem Zug nach Delhi und dann direkt weiter nach Agra zum Taj Mahal und nach Fatehpur Sikri. Sicher, wer von Indien hört, der hat sofort das Taj Mahal vor Augen. Es war auch ziemlich beeindruckend, aber im Rückblick sicher nicht mein bestes Erlebnis, zumal dieser Tag ziemlich stressig war, da wir am selben Abend ein Bob Sinclar Konzert in Delhi hatten - das war echt super. In Delhi sind wir dann noch für 3 Tage geblieben. Die Stadt ist der hammer. Da lässt es sich echt leben. Ziemlich viel Trubel, aber das mag ich echt an Indien.

Fathepur Sikri

The Taj Mahal

Jami Masjid in Delhi

Qutab Minar in Delhi

Kleidervorschrift in der Moschee Jami Masjid

in Delhi's größter Moschee


Lotustempel in Delhi:
jede Religion willkommen

Weihnachtsfeeling in den Saket-Malls in Delhi


Tuesday, 17 January 2012

I'm coming home, I'm coming home, tell the world I'm coming home...

Hallo ihr Lieben,
seit letztem Samstag bin ich wieder daheim - endlich. Durch die Reisezeit ist mir nun auch zum ersten Mal richtig bewusst geworden, dass Kodi wirklich zu meinem neuen Zuhause geworden ist. Ein schoenes Gefuehl. Nach 7 Wochen nur aus der Reisetasche leben fuehlt es sich echt gut an, wieder im eigenen Bett aufzuwachen, mein Hab und Gut wieder in der ganzen Wohnung zu verstreuen und - jaa - auch wieder zu arbeiten. Was vielleicht auch noch zum heimischen Gefuehl beitraegt, ist meine wunderschoene, gemuetliche, kleine, neue Wohnung. Der Bonus: 50 Meter Arbeitsweg. Das darf auch mal sein, finde ich. Also nun doch keine alltaeglichen Hikes morgens und abends mehr.


Seit meiner Ankunft hier wurde ich leider so viel auf Trab gehalten, dass bisher noch keine Zeit blieb, ueber meine Rundreise zu berichten. Das wird jetzt aber in den naechsten Tagen nachgeholt. Jetzt gerade wollte ich nur schon mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben und bei Gelegenheit allen ein FROHES NEUES JAHR 2012 wuenschen!!

Wednesday, 16 November 2011

Indien-Fieber

So, inzwischen ist auch schon wieder Mitte November und das 1. Semester neigt sich seinem Ende. Was das fuer Tim und mich heisst? Die Abenteuerzeit beginnt. Am 27. November gehts los: Indien entdecken, neue Leute kennenlernen, an wunderschoenen Straenden mit einer kuehlen Kokosnuss in den Haenden die Seele baumeln lassen, Weihnachten und Silvester feiern und viele neue Eindruecke sammeln. Ihr koennt euch also schon auf ganz viel neuen Lesestoff im Januar freuen. 

Eine ganz neue, ziemlich verstoerende Erfahrung habe ich uebrigens gestern gemacht: Die Lehrer unserer Schule haben eine Weihnachtsauffuehrung gegeben - Mitte November, es sind 20 Grad und Advent liegt noch in aller Ferne. Als dann schliesslich "Feliz Navidad" von der Buehne zu uns herunterschallte, war meine Verwirrung komplett. Auch an die Tatsache, dass hier aufgrund des fruehen Ferienbeginns naechste Woche alle Geburstage vom Dezember einfach schon mal im Vorraus gefeiert werden, werde ich mich wohl kaum gewoehnen koennen. Naja, in diesem Sinne:
Froehliche Weihnachten, einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein schoenes Osterfest!

Eure Vanessa

Tuesday, 18 October 2011

36 Grad und es wird noch heißer

Coimbatore ist heiss. Unglaublich heiss. Wann immer der Blick dort morgens auf das Thermometer faellt, kann man die Gradzahlen quasi im Minutentakt steigen sehen, bis die Temperatur mittags bei ca. 40 Grad einpendelt.
Schweisstreibend? - Jaa. Unangenehm? - Auf keinen Fall! Denn wie fuer die meisten Inder Kodaikanal, so war der Fieldtrip in Coimbatore fuer mich eine willkommene Abwechslung zu der verhaeltnismaessig kuehlen Brise, die in den Hills herrscht. Ausserdem bot der hoteleigene Pool in dieser Woche eine angenehme Erfrischung.


Die Fieldtrips der Schule lassen sich sicher mit einer Klassenfahrt in Deutschland vergleichen. Der groesste Unterschied liegt wahrscheinlich darin, dass bei den Fieldtrips der Fokus weniger auf einem besseren Kennenlernen, als vielmehr auf der Social Experience eines jeden Schuelers liegt. Wenn man bedenkt, dass die KIS ein Internat ist, eruebrigt sich auch die Frage nach einer besseren Moeglichkeit zum Kontaktknuepfen ;)
Achso- Den mit wichtigsten Grund fuer die Fieldtrips will ich euch natuerlich nicht vorenthalten: Die Chance, eine Woche lang alle moeglichen FastFood-Restaurants zu pluendern. Die Schueler hier sind naemlich echt verrueckt nach Fastfood. Aber das ist ja auch in Deutschland so: Was man nicht hat, das haette man gerne. Deshalb kann ich dieses Verhalten durchaus nachvollziehen, auch wenn es mir manchmal echt einen Lachanfall beschert hat, wenn ich Schueler dabei erwischt habe, wie sie heimlich hinter einer Saeule versteckt einen Burger vom Vortag essen und ich dann angefleht werde: "Miss, Miss, please don't tell the others. We have just this one burger left." Ich moechte hier deutlich hervorheben, dass ich waehrend der ganzen Zeit von jeglichen Erpressungsversuchen, die sich mir in solchen Situationen boten, Abstand genommen habe...
Vielleicht auch, weil ich noch nie ein Fastfood-Fan war. Man koennte die Fieldtrip-Woche also auch KFC (Kentucky-Fried-Chicken) Woche nennen, denn dies ist mit Abstand die Top 1 unter den Fastfood-Ketten.
Aber im Ernst, natuerlich war dies keine Wer-kann-am-meisten-Burger-essen-Woche. Jeder Fieldtrip hatte ein straff durchorganisiertes Programm, das die Schueler z.B. in Kontakt mit anderen Kulturen brachte (ein Fieldtrip besuchte u.a. eine tibetische Siedlung und befasste sich mit der Moenchskultur), ihnen die indische Geschichte anHand von Tempeln, Monumenten veranschaulichte oder ihnen mittels Bioreservate etc. die Bedeutung der Natur vor Augen fuehrte, um nur einige Beispiele zu nennen. Jeder Fieldtrip hatte einen eigenen Schwerpunkt mit verschiedenen Highlights und war somit etwas ganz besonderes.
Nun also zu meinem Fieldtrip nach Coimbatore
mit der 10. Klasse: Genau genommen war der Fieldtrip zweigeteilt, da diese Jahrgangsstufe aus 84 Students besteht und deshalb in zwei Gruppen aufgeteilt wurde, die jeweils die Orte wechselten. 3 Tage in Coimbatore, 3 Tage in Trichy. Ich blieb jedoch die ganze Zeit in Coimbatore, da wir einige Personalprobleme hatten. Dort besuchten wir ein Bioreservat, was erst vor einigen Jahren angelegt wurde und eine Art Projekt ist. Denn zuvor befand sich dort nur Brache, da die Einwohner die Waelder abgeholzt hatten. Ein bemerkenswertes Projekt, wie ich finde.


Wir lernten die Nutzungsmoeglichkeiten aller moeglichen indischen Baeume kennen, was ziemlich interessant war. So gibt es einen Baum, der gegen Lepra hilft, einen, von dem ein Beruhigungsmittel gewonnen werden kann oder auch einfach nur einen Baum, dessen Fruechte als natuerlicher Lippenstift dienen. Die Vielfalt der Nutzungsmoeglichkeiten ist enorm und wird innerhalb der Ureinwohner von Generation zu Generation weitergegeben.
Daneben besuchten wir noch ein Vogelobservatorium, was den Schuelern zusammen mit dem Bioreservat einen Eindruck von der Wichtigkeit der Biodiversitaet vermittelte.
Ein weiterer Stopp wurde bei einer Ziegelsteinfabrik eingelegt - fuer mich der wichtigste Programmpunkt. Hier konnten die Schueler selbst einmal aktiv werden und ihren eigenen Ziegelstein herstellen, was ihnen sichtlich Spass bereitet hat.


Unser Anliegen war es jedoch, die Schueler fuer die Situation der armen Bevoelkerungsschicht zu sensibilisieren. Auch ich habe dort Einiges gelernt, was mich teils ziemlich geschockt hat und ich euch gern mitteilen moechte, weil ich finde, dass solche Fakten mehr nach Aussen getragen werden sollten.

Arbeiterin




Einige Fakten zu einer gewoehnlichen Ziegelsteinfabrik in Indien: Die Arbeit zur Herstellung der Ziegelsteine teilen sich jeweils 8 Arbeiter. Sie sind fuer unterschiedliche Arbeitsabschnitte verantwortlich. Jeden Tag muessen sie 2000 Ziegelsteine herstellen, um ihr Gehalt zu bekommen. Ein einzelner Arbeiter stellt ca. 12 Ziegelsteine pro Minute her, um die Arbeit zu bewaeltigen. Ein Ziegelstein wird fuer 4 Rupien verkauft. Die taegliche Produktion kann fuer 10 000 Rupien verkauft werden.
(Zum Vergleich: 1€ = 65 Rupien) Die Kosten hierfuer betragen 2 000 Rupien. Der Tageslohn eines Arbeiters betraegt 150 Rupien, der einer Arbeiterin 100 Rupien.



Ist das fair??



Arbeiterin in der ZiegelsteinfabrikIhr Gehalt: 110 Rupien/Tag



Ich denke, es ist wichtig, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen, denn nur der Aufgeklaerte kann Verantwortung uebernehmen.
Wie schon Kant sagte:
„Sapere aude!= Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

Eine Menge Informationseinstrom fuer diese Tage also. Einen Ausgleich hierzu boten uns ein Waterpark sowie der Besuch einer Shopping-Mall, die echt verblueffende Aehnlichkeiten mit unserern deutschen hatte. Dies war dann auch der Coimbatore-Teil unseres Fieldtrips. Da ich leider nicht in Trichy war - lest den Artikel bitte zweimal um einen vollstaendigen Eindruck meiner Woche dort zu bekommen ;)
Kleiner Scherz. Natuerlich war es nicht beide Male gleich, da ich zwei sehr tolle, aber auch verschiedene Gruppen hatte, mit denen die Woche echt super viel Spass gemacht hat.

Paul und Muli (Lehrer)

Unser Hotel in Coimbatore



Bioreservat

Unser Guide

Erkundungstour durchs Reservat


Eins mit dem Baum:
Meine Tamillehrerin Ruth Alexander


Arbeiter der Ziegelsteinfabrik

Jetzt wird es ernst:
Viraj wagt einen Selbstversuch




im Waterpark


einfach nur Spaß haben


Vasanth berichtet

in jedem Mann steckt auch eine Frau...





Thursday, 13 October 2011

neuer Post

Hey, war heute mal wieder ein bisschen fleißig: In der Rubrik "hiking" findet ihr einen neuen Beitrag. Also. Schaut mal rein.
Pointuvaren

Saturday, 1 October 2011

Vanakkam, ihr Lieben!
Ein kleines Update zwischendurch: Sitze gerade gemütlich mit Tim und Kevin vorm Kamin in ihrem Appartement und erhole mich von den Strapazen der Woche. Nein... eigentich ist das hier Urlaub vom Urlaub. Die Woche waren nämlich Fieldtrips, d.h. so eine Art Klassenfahrt, nur dass hier der erzieherische Aspekt eine wichtige Rolle spielt. Um nur einige zu nennen: Mad-River, Kerala Culture, IB-Arts, Eco-Watch, Bangalore,... Für mich ging es mit 84 10. Klässlern nach Coimbatore. Insgesamt ein klasse Trip (Unser Hotel hatte einen eigenen Swimming-Pool, was bei 38 Grad echt ganz nett war). Nächste Woche heißt es dann auch schon wieder Koffer packen: Mit dem Schulteam zum Ultimate Frisbee Turnier in Chennai direkt an der Ostküste.
Also... Urlaub vom Urlaub vom Urlaub.


Liebe Grüße aus Kodi in alle Himmelsrichtungen